Arbeitsblätter

Aufgaben für Schüler über das Spielen hinaus.

Inhalt

Arbeitsblatt: Opposition

Anhand der Abbildungen erhalten Ihre Schüler Informationen zum Thema Opposition. Sie schauen sich die Abbildungen an und überlegen, was dort gezeigt wird. Wie sah oppositionelles Handeln aus?

Auch der Text zur „Initiative Frieden und Menschenrechte“ liefert den Schülern beispielhaft Informationen zu einer oppositionellen Gruppe in der DDR. Ihre Schüler erfahren, dass Spielerfinder Martin Böttger Gründungsmitglied der „Initiative Frieden und Menschenrechte“ war. Dadurch stellen sie einen Bezug zum Spiel her und erkennen, dass es sich bei Bürokratopoly auch um ein Stück oppositioneller Arbeit handelt.

Die dritte Aufgabe überlässt es den Schülern, aus welcher Perspektive sie ihren Artikel verfassen wollen. Sie können sich für den Blick von außen entscheiden, indem sie einen Artikel für ein Westmedium verfassen, oder sie schreiben aus der Sicht eines „Insiders“. Im zweiten Fall können sie zwischen Oppositionellem (Artikel für Radio Glasnost oder Grenzfall) und Inoffiziellem Mitarbeiter (Bericht an Vorgesetzten) wählen. Durch diese Unterscheidung soll den Schülern noch einmal deutlich gemacht werden, dass Oppositionelle in der DDR mit der ständigen Vermutung leben musste, von der Stasi auf Schritt und Tritt überwacht zu werden.

Durch die Auseinandersetzung mit der Thematik wird den Schülern bewusst, dass demokratische Rechte wie die Versammlungs-, Presse- und Meinungsfreiheit in der DDR nicht gegeben waren. Sie verstehen, dass Grundrechte wie diese in einer Demokratie unabdingbar sind und eine demokratische Verfassung nicht zwangsläufig auch ein demokratisches Leben generiert.

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Initiative Frieden & Menschenrechte

Die »Initiative Frieden und Menschenrechte« (IFM) war eine Bürgerrechtsbewegung in der DDR, die die Deutsche Einheit wesentlich mitprägte. Sie fand sich im Herbst 1985 zusammen. Mitglieder verschiedener Friedenskreise organisierten  ein Menschenrechtsseminar in Ost-Berlin. Zwar fand dieses Seminar auf Druck des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nicht statt, die Mitglieder aber entschieden sich, weiterhin zusammenzuarbeiten. Im Januar 1986 wurde die Initiative schließlich offiziell gegründet. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählten Martin Böttger, Bärbel Bohley und andere. Die IFM war eine der wichtigsten Bürgerrechtsbewegungen und von kirchlichen Strukturen weitestgehend unabhängig. Im Januar 1988 wurden mehrere Mitglieder der IFM von der Staatssicherheit verhaftet. Zwar wurden sie aufgrund zahlreicher Proteste nach einer Woche freigelassen, allerdings mussten sie in den Westen ausreisen. Diese und weitere »Zersetzungsmaßnahmen« des MfS erschwerten die Arbeit der IFM, und sie wurde erst während der Friedlichen Revolution wieder voll aktiv.

Zusatzaufgabe: Perspektivenvielfalt

Diese Aufgabe soll Ihren Schülern verschiedene Perspektiven auf die DDR näher bringen und sie bei der Einordnung verschiedener Erzählungen über die DDR unterstützen. Neben der Opposition lernen sie in dieser Aufgabe auch die Sicht ehemaliger Stasi-Offiziere kennen, die versuchen, das von ihnen begangene Unrecht aufzuarbeiten. Allerdings gibt es bis heute auch Beteiligte, die die Arbeit des MfS und die politischen Verhältnisse der DDR verklären.

Die Schüler sollen einen Text- bzw. Filmausschnitt bearbeiten. Diese Aufgabe bietet sich als Hausaufgabe an, kann aber ebenso auch im Unterricht bearbeitet werden. Eine Verteilung, bei der mehrere Schüler den gleichen Text bzw. Filmausschnitt bearbeiten, ist sinnvoll. Geben Sie den Schülern konkrete Aufgaben mit: Was für ein Bild der DDR wird von den Personen dargestellt? Welche Gefühle und Wertaussagen geben die Akteure von sich?

Die Ergebnisse der Hausaufgabe können Sie in einem Gruppenpuzzle auswerten. So wird eine Kombination von Gruppenarbeit und autonomem Lernen ermöglicht. Indem die Schüler sich selbstständig mit dem Interview mit Margot Honecker befassen, werden sie angeregt, Geschichtsdeutungen anderer zu analysieren.

Zusatzaufgabe: Fazit

In einem abschließenden Text, zum Beispiel einem »Brief an mich«, fassen die Schüler für sich zusammen, was sie in der Unterrichtsreihe gelernt haben, was sie besonders interessiert hat, welche Methoden sie gut fanden, aber auch was sie nicht so spannend fanden. Diese abschließende Auswertung dient den Schülern dazu die neuen Anregungen und Erkenntnisse noch einmal zu reflektieren und zu festigen.

 

 


Arbeitsblatt: Rezension und Debatte

Nachdem die Schüler eine Rezension auf dem Arbeitsblatt verfasst haben, kann eine Podiumsdiskussion mit ihnen organisiert werden, in der die unterschiedlichen Erfahrungen beim Spielen zum Ausgangspunkt genommen werden können.

Da die Schüler beim Spielen unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, werden auch verschiedene Rezensionen entstehen. Die Moderation der Diskussion kann von einem Schüler oder Ihnen als Lehrer übernommen werden. Wenn die Schüler Bürokratopoly in mehreren Gruppen
parallel gespielt haben, können Sie die Auswertung auch mit der Fishbowl-Methode durchführen. Ihre Schüler teilen sich in zwei Gruppen mit konträren Meinungen auf (zum Beispiel eine, die das Spiel positiv, eine die es negativ bewertet) und bilden einen inneren und einen äußeren Kreis. Der innere Kreis trägt die Argumente aus, kann aber auch mit Schülern aus dem äußeren Kreis ausgetauscht werden. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sich mehr Schüler an der Diskussion beteiligen können.

Indem die Schüler unterschiedliche Perspektiven entdecken, beschreiben und übernehmen, überdenken sie die Vielfalt der Möglichkeiten menschlichen Handelns in der Geschichte und entwickeln daraus auch Konsequenzen für ihre Gegenwart. Den Schülern wird während des Vortragens ihrer Argumente deutlich, dass Handlungsräume, die auch in einer Diktatur existieren, von Menschen unterschiedlich genutzt werden können. Sie sollen diese kritisch hinterfragen und erkennen, dass Diktaturen Menschenrechte verletzen und dennoch für die Bürger Attraktivität entwickeln können: So wurde etwa in der DDR angepasstes Verhalten häufig mit Karrierechancen belohnt.

Auch diese Diskussion sollte im Anschluss noch ausgewertet werden. Welche Aspekte fanden die Schüler positiv, welche sind ihnen negativ aufgefallen? Haben die Schüler bemerkt, dass immer wieder Mitspieler ins Gefängnis gekommen sind? Fanden Ihre Schüler diesen Aspekt besonders interessant? Dann bieten sich entsprechende Überleitungen zu Themen wie “politische Häftlinge und Rechtsstaatlichkeit in der DDR” an.

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Arbeitsblatt: Verfassung der DDR

Das Arbeitsblatt kann zur Vor- und Nachbereitung des Spiels dienen. Durch den Vergleich von Verfassungsauszügen der DDR und der Stasiakte wird deutlich, dass Staatsorgane, insbesondere das Ministerium für Staatssicherheit, an der Verfassung vorbei agierten. Den Schülern sollte vor allem bewusst werden, dass die DDR kein demokratischer Rechtsstaat war.

Ziel der Gegenüberstellung von DDR-Verfassung und Stasiakte ist es, dass die Schüler Demokratie ablehnende Orientierungs- und Handlungskonzepte erkennen und bewerten. Durch den Vergleich von Verfassung und Stasiakte sind sie in der Lage, Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur zu erklären.

Sie können Ihren Schülern zusätzlich einen Auszug aus dem Strafgesetzbuch der DDR vorlegen. Im §220 geht es um die „Öffentliche Herabwürdigung“ der DDR. Die Schüler können so verstehen, warum Bürokratopoly eine Kritik und für die Staatssicherheit von Interesse war.

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Weiterführende Anregungen

Quelle: Robert-Havemann-GesellschaftFolgende Frage bietet sich zur Diskussion mit Ihren Schülern an: Welche Handlungsoptionen hat ein Bürger bei Verstößen gegen die Verfassung in einer Demokratie, insbesondere der Bundesrepublik – beispielsweise die Einklagbarkeit von Grundrechten vor dem Verfassungsgericht? Ein weiterer Aspekt, den Sie mit Ihren Schülern thematisieren können, ist die Tatsache, dass die DDR mit dem Beitritt zur UNO formal die allgemeine Erklärung der Menschenrechte anerkannt und sich mit der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte erneut zur verbindlichen Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet hat.

Auch ein Gegenwartsbezug lässt sich herstellen, indem Sie mit Ihren Schülern die Frage diskutieren, was die Menschenrechtscharta der UNO wert ist, wenn immer wieder dagegen verstoßen wird. Lassen Sie aktuelle Beispiele im Unterricht besprechen. Auch der Aspekt der Überwachung von Bürgern kann mit aktuellem Bezug besprochen werden. Die Frage nach Persönlichkeitsrechten im Gegensatz zur Sicherheit vor Terrorismus spielt in aktuellen innenpolitischen Diskussionen eine Rolle. Gesetze werden verschärft, sodass auch die Überwachung der eigenen Bürger möglich wird. Wie stehen Ihre Schüler dazu? Verschiedene Geheimdienstorganisationen, darunter die NSA und der BND, speichern unseren privaten Informationsaustausch und werten ihn aus. Sehen die Schüler dadurch unsere Freiheitsrechte gefährdet?  

 

 


Arbeitsblatt: Demokratie und Diktatur

Zur Einleitung der Themen Demokratie und Diktatur bietet sich vor dem ersten Spielen die Bearbeitung des Arbeitsblatts Demokratie an.

Die Schüler sollen sich Gedanken über Demokratie machen und verschiedene Bilder recherchieren, die sie mit dem Begriff assoziieren. Dafür können sie in Büchern, Zeitschriften oder dem Internet suchen. Die Bilder werden im Unterricht auf einem Tisch ausgebreitet. Jeder Schüler sucht sich dann eines aus, welches ihn am meisten anspricht. Im Anschluss erklären die Schüler sich in kleinen Gruppen gegenseitig, warum sie sich für ihr Bild entschieden haben, was sie angesprochen hat und welche Assoziationen und Ideen es bei ihnen weckt. Das Bild kann auf das Arbeitsblatt eingeklebt werden und als Ausgangspunkt für die folgende Aufgabe dienen. In dieser sollen die Schüler nun eine Definition von Demokratie entwickeln und auf dem Arbeitsblatt eintragen.

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Zusatzaufgabe Zeitzeugenbefragung

Den Spielerfinder Martin Böttger interessierte beim Entwerfen und Spielen von Bürokratopoly vor allem, wie das System der DDR funktionierte und zusammengehalten wurde.

Was glauben Ihre Schüler? Überlegen Sie gemeinsam, warum die DDR über einen relativ langen Zeitraum stabil war. Viele Menschen waren unzufrieden – dennoch dauerte es bis 1989, bis durch die friedliche Revolution erfolgreich die Änderung der Verhältnisse herbeigeführt wurde. Mit dieser Frage im Hinterkopf können sich die Schüler die Zeitzeugeninterviews anschauen und die Antworten von Martin Böttger und Stefan Wolle mit ihren eigenen vergleichen.