Lehrerhinweise und Lehrplananbindung

Wie wird Bürokratopoly in den Lehrplan eingebunden? Was sind die Unterrichtsziele?

Inhalt

2014 jährt sich die Friedliche Revolution in der DDR zum 25. Mal. Anlässlich des historischen Jubiläums ist die jüngste deutschdeutsche Geschichte Gegenstand vieler Ausstellungen und Veranstaltungen und als Thema in den Medien außerordentlich präsent.

Auch in den Lehr- und Bildungsplänen der Bundesländer gibt es zahlreiche Themenvorgaben und Anknüpfungspunkte zur deutschdeutschen und DDR-Geschichte. Dies gilt vor allem für die Fächer Geschichte, Politikwissenschaft, Politische Bildung und Sozialkunde – von der Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg, über den Kalten Krieg und die Phase der Entspannungspolitik bis hin zur Friedlichen Revolution.


Rahmenlehrplan Berlin, Geschichte

“Die Konfrontation der Blöcke und die deutsche Frage”


Kernlehrplan NRW, Geschichte

“Die Überwindung der deutschen Teilung”


Lehrplan Sachsen, Geschichte

“Demokratie und Diktatur”


Rahmenlehrplan Brandenburg, Geschichte

“Der Ost-West-Konflikt”

Dies sind nur einige Beispiele konkreter Themenfelder, die in den Bildungsstandards für die Klassen 9 bis 13 festgeschrieben sind und mit dem Material im Unterricht umgesetzt werden können. Die Umsetzung kann fächerübergreifend stattfinden, da sowohl historische als auch politische und ethische Aspekte des Materials miteinander verknüpft werden können. Ihre Schüler erhalten Zugang zu den Themen Recht, Unrecht, Gerechtigkeit und Willkür und können Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen. Grundlage des Projekts sind die didaktischen Prinzipien der Problemorientierung, des Längsschnitts, des Gegenwarts- und Zukunftsbezugs und besonders der Multiperspektivität.

Kompetenzvermittlung

Durch die Beschäftigung mit dem Unterrichtsmaterial und dem Brettspiel bekommen die Schüler den kritischen Umgang mit Geschichte vermittelt und sie erlangen ein Verständnis von Demokratie. Zusätzlich entwickeln und vertiefen sie die untereinander gleichwertigen Teilkompetenzen des Faches Geschichte: Deutungs- und Analysekompetenz, Methodenkompetenz sowie Urteils- und Orientierungskompetenz. Diese Teilkompetenzen finden Ausdruck in der zentralen Kompetenz des Geschichtsunterrichts, der Anwendung eines reflektierten historischen Erzählens und Urteilens – der Fähigkeit zur Narration.

Prof. Hans-Jürgen Pandel

“In den Köpfen sollen Erzählungen
stecken, keine Jahreszahlen.”

Voraussetzung dafür ist der kritische Umgang mit historischen Quellen. Schüler lernen deren Standortgebundenheit zu analysieren, zu beurteilen und historisch einzuordnen. So lernen sie, dass auch durch die Arbeit mit Quellen und deren Rekonstruktion kein objektives, letztgültiges Geschichtsbild entstehen kann. Auch die Selbst- und die Sozialkompetenz werden durch das Unterrichtsmaterial und Bürokratopoly gefördert.

Beim Spielen wird das Methoden- und Regelbewusstsein gestärkt. Spielen erfordert die Einhaltung klarer Regeln, die ihrerseits die Bearbeitung eines Themas erst ermöglichen. Zudem erwerben die Schüler die Fähigkeit Konflikte demokratisch auszutragen und ihre eigene Position angemessen zu artikulieren. Spielen im Unterricht ist immer ein zweckgerichtetes Handeln, durch das der Lernprozess intensiviert und verlangsamt wird. Spielen schafft ein anderes Tempo als zum Beispiel der Lehrervortrag. Spielen ist handlungsund problemorientiert – es erzieht zum sozialen Lernen und kann damit mehr als die bloße Beherrschung des Stoffes erreichen.

Unterrichtsziele

Zielgruppe des Unterrichtsmaterials und des Spiels Bürokratopoly sind Schüler der Klassen 9 bis 13. Der zeitliche Aufwand variiert stark, je nachdem wie intensiv Sie Ihre Schüler Bürokratopoly spielen lassen (es gibt verschiedene Spielvarianten) und welche Arbeitsblätter und Aufgaben Sie im Unterricht behandeln. Die wichtigsten Unterrichtsziele dabei sind:

  • Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur zu erkennen
  • Kenntnisse über die Herrschaftsstrukturen in der DDR und über die DDR zu erlangen
  • Verständnis für die Lebenswelt von DDR-Bürgern zu entwickeln
  • Kenntnisse über den Aufbau und die Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit zu erwerben
  • die Diskrepanz von DDR-Verfassung und DDR-Realität zu identifizieren
  • Fähigkeiten zur Einordnung von Quellen zu erlangen
  • das Interesse für demokratische Strukturen und Verfahrensweisen zu fördern und zu festigen

Die Schüler werden sich am Ende der Unterrichtseinheit darüber bewusst, dass das Leben in einer Demokratie nicht selbstverständlich ist und demokratische Handlungskonzepte verteidigungswürdig sind.

Vor dem Spiel

Bevor Ihre Schüler mit dem Spielen beginnen, ist es sinnvoll, ihnen einige Arbeitsaufträge mitzugeben. Die Schüler sollen sich Situationen merken, die sie im Spielverlauf als ungerecht empfinden oder die ihnen aus anderen Gründen auffällig erscheinen. Sie können diese Situationen auf einem Blatt notieren. Auch Begrifflichkeiten oder Abkürzungen, die sie nicht kennen, können auf dem Blatt aufgeschrieben werden. Alternativ können Sie Ihren Schülern auch das Glossar geben, sodass sie bereits während des Spielens Unbekanntes nachlesen können. Bitte nutzen Sie ebenfalls “Arbeitsblatt Demokratie”.

Während des Spiels

Im Verlauf des Spiels können Sie Ihren Schülern das Glossar an die Hand geben oder zu einzelnen Ereigniskarten den historischen Hintergrund erläutern (vgl. S. 6 – 7). Zudem kann es passieren, dass der Spielfluss ins Stocken gerät. An dieser Stelle bietet sich eine kurze Reflexionspause an. Besprechen Sie mit den Schülern den aktuellen Spielstand: Wer steht mit seinen Spielfiguren auf welchen Positionen und welche Strategien haben die Schüler angewandt, um dorthin zu gelangen? In der Spielanleitung erhalten Sie zudem Informationen, wie Sie die Spieldauer beschleunigen können. Allerdings sollten Sie nie den Spielfluss unterbrechen; verzichten Sie in dem Fall lieber auf die Reflexion während des Spiels und besprechen Sie dann mit Ihren Schülern im Anschluss den Verlauf.

Nach dem Spiel

Nach dem Spielen ist eine Einordnung und Nachbesprechung mit Ihren Schülern sehr wichtig. Wer hat gewonnen und welche Strategien wurden angewandt? Haben die Schüler Allianzen gebildet oder alleine versucht, an die Spitze zu kommen? Für das Auswertungsgespräch sollten die Notizen der Schüler herangezogen werden. Wenn die Schüler kein Glossar beim Spielen zur Hand hatten, ist es nun an der Zeit die unbekannten Begriffe und Abkürzungen zu klären. Welche können im Klassenverband aufgeklärt werden und welche müssen darüber hinaus recherchiert werden? Ein weiteres Thema, welches Sie mit Ihren Schülern besprechen können, ist der typische Sprachgebrauch in der DDR. Welche Begriffe waren Neuschöpfungen, welche sind auch heute noch in Gebrauch? Was wurde aus der Sowjetunion übernommen? Welches Gesellschaftsbild wurde mit diesen sprachlichen Neuschöpfungen vermittelt?